Achtsamkeit…

Es ist so wie mit allen möglichen Begriffen, die mir begegnen: Ich habe bereits ein gewisses Bild, eine vorgefasste Vorstellung davon, was gemeint ist und bleibe erst auf der begrifflichen Ebene, einer Definition, hängen.
Es bedarf etwas Zeit und eines schwer zu beschreibenden Prozesses, bis ich wirklich sehe, was gemeint ist, dann sehe ich klarer.

So ist es auch mit dem Begriff der “Achtsamkeit” verlaufen – dieser Begriff ist in aller Munde und ich stolpere seit meiner Beschäftigung mit Meditation, Zen und Vipassana ständig darüber und denke: klar Achtsamkeit, achtsam, d. h. gegenwärtig sein…
Inzwischen sehe ich, dass diese oberflächliche Definition, das Durchdenken und die Beschäftigung auf intellektueller Ebene mir nicht weiterhilft und es um etwas anderes, tieferes geht:
Ich dachte, dass ich achtsam bin, wenn ich spüre, wie meine Füße/Sohlen den Boden berühren und ich präsent bin im Hier und Jetzt. Wenn ich den Menschen in die Augen sehe und eine Verbindung aufnehme, selbst das gelingt nicht immer.

Nun, inzwischen denke ich, dass es die Kür ist, nicht nur als eine Art Zeuge bei sich, bei anderen, im Moment zu sein, sondern mit seinem Wesen, seinem Selbst aktiv in Erscheinung treten zu können – gerade auch im Alltag an der Wursttheke, in der Sauna, vor Gericht und in der Werkstatt. Ich kann es nur schwer beschreiben, aber es ist das Gefühl, etwas zu bewirken und nicht in dem verhaftet zu sein, wohin die Routinen uns hinführen.

Als Beispiel möchte ich meine ganz gegenwärtige Situation nennen: Ich sitze gerade in einem kargen Konferenzraum einer Werkstatt, in der gerade unser Bulli repariert wird. Ich hatte zuvor mit dem Ansprechpartner hier telefoniert und versucht, mich von der üblichen Kunden-Werkstatt-Routine zu lösen. Ich habe gebeten, ob ich während der Reparatur hier arbeiten kann (ich bereite einen Prozesstermin für morgen vor) und er hat nicht nur mir diesen Tisch hier im Konferenzraum überlassen, sondern mir einen Kaffee gebracht und war präsent (der operationelle Autopilot war nicht aktiv).
Ich glaube, es liegt sehr an den jeweiligen Menschen, denen wir begegnen, ob es funktioniert; die Lehre für mich ist aber, dass es gut ist, ganz in einer (Standard-)Situation zu sein und wirken zu können, statt eine Kundennummer mit einer eingeschränkten Rolle zu sein. Und: ich habe diesen Artikel schreiben und mich auf den Prozess vorbereiten können während ich hier warte, Danke.