Biologie der Angst

Menschen, die emotionale Sicherheit erfahren und nicht von Angst und dem Gefühl, sich schämen zu müssen, umgetrieben werden, entwickeln andere Geisteszustände, die sich nicht gegen das Wohl eines anderen richten, auch nicht gegen das Wohl des größeren Körpers, mit dem wir alle verbunden sind – der lebendigen Erde und aller Mitmenschen/-geschöpfe.
Die Lernforschung hat herausgefunden, dass Angst der Erzfeind von Intelligenz und Entwicklung ist; ein Zunehmen der Angst ist daher automatisch ein Hinweis für das abnehmende Potenzial für Intelligenz .
/Joseph Chilton Pearce, Biologie der Transzendenz & Die magische Welt des Kindes/

Angst ist eines der ganz grundlegenden Gefühle, die uns irgendwie menschlich erscheinen (und erscheinen lässt) und gleichzeitig mit der Natur der Tiere verbindet: Tiere fürchten eine unmittelbar bevorstehende Gefahr und dank der Alarmierung und dem Mechanismus der Reaktion in grundlegenden Hirnregionen ist die Chance zu überleben perfektioniert.
Was bedeutet dieser Überlebensmechanismus heute für uns Menschen in einer Welt, in der Gefahren selten konkret und unmittelbar lauern, sondern häufig abstrakt und in weiterer Zukunft wahrgenommen werden? Wir haben es mit einer weiten Angstdimension zu tun, die uferlos werden kann. Die Hirnforschung hat offengelegt, dass Angst die Entwicklung der Intelligenz bremst.

Welche Wege gibt es, mit Ängsten umzugehen. Verbreitet ist die Verdrängung von Ängsten – ein Leben mit viel Ablenkung, Berieselung und wenig Bewusstsein. Ablenkung ist wirksam, aber ich glaube, dass Ängste, die verdrängt werden, sich sehr kraftvoll einen anderen Weg suchen und dass es daher wichtig ist, sich mit ihnen auseinander zu setzen.
Für Kinder sind Märchen eine wunderbare, tief verwurzelte Weise, mit den Urängsten unserer Urahnen und deren Einprägung im kollektiven Bewusstsein umgehen zu lernen – in einem spielerischen Umgang. Ängste bekommen Gestalt und werden greifbar. Gleichzeitig leben Kinder intensiv in der Gegenwart und machen sich keine Sorgen um die Zukunft. Wie gesagt sind solche Ängste schwer greifbar, die abstrakt und in der Zukunft lauern. Wenn wir ihnen jedoch Gestalt geben können, so wie sie in Märchen Gestalt annehmen und mehr dazu zurück kehren, in der Gegenwart zu leben, wird der alte Affe Angst handhabbar.

Doch wie geben wir diesen schwer fassbaren Gefühlen Gestalt? Ich glaube, dass es hierzu viele Wege gibt von Naturerlebnissen, nächtlichen Wanderungen, Abende am Feuer über Schwitzhütte oder Meditation bis hin zu Extrem-Sport bzw. Risiko-Sportarten. Über die Perspektive jedes einzelnen Menschen hinaus, werden die Kinder es ihren Eltern danken, wenn sie ihre Ängste nicht auf sie übertragen. Die zukünftige Menschheit wird kreativer, unbefangener, weniger destruktiv und fröhlicher sein, wenn die ewige Spirale der Übertragung von Ängsten aufhört.

Ich habe einige Schulen kennen gelernt, an denen Kindern ihre Lust am Lernen und Wachsen gelassen wird. Ich habe jedoch auch den Effekt bemerkt, dass Eltern nach ihrer ersten Freude über derartig erfrischende Lehrmethoden ihren Ängsten verfallen, ihr Kind könne das Abitur nicht schaffen. Ich hoffe, dass Kinder in ihrer natürlichen Motivation und die Lehrer solcher Schulen nicht die Lust verlieren und die tief verwurzelten Ängste nicht die dringend notwendigen Änderungen blockieren. Möglicherweise braucht es dann noch einige Generationen, um herauszuwachsen.
Wenn wir jedoch mit dem Wachsen unserer Kinder selbst darin wachsen, neue Wege zuzulassen und in unsere Kinder und ihren Fähigkeiten, ihrer Kreativität vertrauen, sie dabei begleiten und inspirieren, statt sie zu blockieren und zu konditionieren, dann… – ja ich glaube, dann geht es schneller.