Was wir aus der Hirnforschung lernen können

Wie der Körper – so kann auch der Geist verletzt oder genährt, angeregt oder ausgehungert werden.
/Joseph Chilton Pearce, Die magische Welt des Kindes/

Es fing vor vielen Jahren mit dem Fernseher an und geht auf ähnlichen Bahnen mit Surfen im Internet und Computer-/Onlinespielen weiter: Wir lassen uns berieseln, geraten in eine Lethargie, Ermüdung, Sucht und kommen nur schwer wieder raus. Es lohnt sich, einmal grundsätzlich über gesellschaftlich verbreitete Gewohnheiten nachzudenken.

Als Anstoß hilfreich sind hierbei vielleicht wissenschaftliche Forschungsergebnisse, von denen ich zwei nur kurz nennen möchte, um die Spannbreite des Problems zu skizzieren:

Die Dynamik der Hirnentwicklung

Forschungen über die Entwicklung des Gehirns haben ergeben, dass noch bis ins Erwachsenenalter hinein der präfrontale Cortex (Frontal-Lappen) des Großhirns (und damit der evolutionär jüngste Hirnbereich) entwickelt wird und die Entwicklung naturgemäß von den Beziehungen und Aktivitäten im Alltag stark beeinflusst wird. Hirnforscher wie etwas Gerald Hüther haben das statische Modell der Hirnentwicklung aufgegeben und durch ein dynamisches Modell ersetzt, wonach wir das Gehirn haben, wie wir es mit Begeisterung nutzen. Die einseitige Berieselung durch Fernsehen & Co. verhindert die feingliederige Synapsen-Ausbildung wie sie etwa aktiv durch Spiel und Imagination erfolgt (die bei vorgegebenen Bildern gerade nicht aktiviert ist). Erstaunlich ist bei Messungen etwa von Hirn-Karthographen, dass nicht der Inhalt des Medienkonsums, sondern die Form des Mediums maßgeblich ist. Natürlicherweise werden durch Spiel, Erlebnisse in der Natur, Draußen, Begeisterung und durch Kontakte (Kind/Kinder, Kind/Erwachsene) gerade auch auf emotionaler Ebene (Gerald Hüther beschreibt dies schön mit “Erlebnissen und Beziehungen die Unter die Haut gehen”…) die Ausbildung des präfrontalen Cortex so richtig befeuert.

Da nun nicht alleine rationale Leistungen in der betroffenen Region vollbracht werden, sondern die Fähigkeit, sein Verhalten zu beherrschen, Achtsamkeit und die höchste aller Intelligenzen, die Erkenntnisintelligenz im präfrontalen Cortex ausgebildet werden, ist es schlüssig, wieso durch Entwicklungsmängel die Gewaltbereitschaft und mangelnde Achtsamkeit so verbreitet ist. Auf die im biologischen Programm der evolutionären Entwicklung – der Transzendenz bezogen denke ich, dass hier ein Schlüssel zum nächsten Schritt der Menschheit liegt.

Der ausgeruhte Geist…

…hilft enorm dabei, sich auf etwas zu fokussieren und weniger abgelenkt zu werden. Eine aktuelle Studie hat etwa den Zusammenhang zwischen Ausgeschlafensein und Internetkonsum aufgedeckt: Auf den Punkt gebracht ließen sich Studenten, die nicht ausgeschlafen haben, erheblich mehr durch Surfen im Web ablenken. Anders herum führt ein ausgeruhter Geist zu mehr Aktivität statt Konsum.
Die Entscheidung ist bei einem Computer nur einen Klick entfernt. Und hier schließt sich der Teufelskreis des Medienkonsums: Je müder oder unausgeglichener wir sind, um so eher lassen wir uns berieseln – ein Bann, den wir durch einen ausgeruhten Geist (Schlaf, Sport, Meditation) und Umschalten von Konsum auf Aktivität überwinden können, jeden Tag und immer wieder, die Übung im Alltag.