Im Stehen statt im Sitzen arbeiten

Seit einem Jahr stehe ich (überwiegend) bei der Arbeit – an einem Stehpult, statt an einem Schreibtisch mit Bürostuhl zu sitzen. Anlass, über etwas so Alltägliches und gleichzeitig Bedeutendes wie den Arbeitsplatz neu nachzudenken, war vor allem das Gefühl, dass langes Sitzen am Arbeitsplatz nicht gut tut: Meine Frau hatte den Steh-Schreibtisch entdeckt – zufällig, im Möbelladen, als wir eigentlich nach einem Schrank suchten; sie hatte zu dieser Zeit Rückenschmerzen und ihr war daher dieses Thema bewusst.

In verschiedenen Studien ist festgestellt worden, dass Am-Schreibtisch-Sitzen das Risiko, an Herz-Kreislauferkrankungen, Fettleibigkeit, Thrombosen und Diabetes zu leiden, erhöht. Hintergrund ist offenbar der negative Einfluss von zu langem Sitzen auf den Fett- und Cholesterinstoffwechsel – Enzyme (Lipase), die in den Blutgefäßen der Muskeln für die Fettverbrennung zuständig sind, sollen nach Untersuchungen im Sitzen schon nach wenigen Stunden inaktiv werden.
Fitness-Training außerhalb der Arbeitszeiten, in denen am Schreibtisch gesessen wird, soll hieran nur wenig ändern. Als ich mich mit dem Thema noch etwas intensiver beschäftigte, habe ich von weiteren Untersuchungen gelesen, nach denen zu langes Stehen ebenfalls nachteilige Folgen für die Gesundheit haben soll und u. a. das Kreislauf-System auf Dauer zu sehr belasten und zu Krampfadern führen kann.

Ich denke, dass – wie so oft – der mittlere Weg eines abwechselnden Stehens-Sitzens für den Körper am Wohltuendsten ist.
Als ich vor rund einem Jahr vom Sitzen zum Stehen an einem Steh-Schreibtisch (er ist um einiges größer als einer dieser Steh-Pulte) entschied, waren mir die eben erwähnten Studien in dieser Dimension nicht bekannt.
Inzwischen frage ich mich, warum das Sitzen in unserem Alltag – am Arbeitsplatz, in der Bahn, beim Autofahren und dann noch oft abends auf der Couch so verbreitet ist und kaum hinterfragt wird. Ich glaube, es ist ein Phänomen, dass es gerade die alltäglichen Dinge sind, die so viel Zeit einnehmen und eigentlich deshalb eine große Bedeutung haben, die wir gar nicht mehr bewusst wahrnehmen: es gibt dann auch kaum Anlass, etwas hieran zu ändern.