Selbstregulation – Schritte in die Freiheit

Freiheit ist kein fernes Ziel, Befreiung nicht das angestrebte Ergebnis. Freiheit muss am Anfang stehen, sonst kannst du nichts entdecken.
/Jiddu Krishnamurti, indischer Philosoph, Autor, Theosoph und spiritueller Lehrer/

Selbstregulation

Selbstregulation hat eine ganz wesentliche Bedeutung: Der Mediziner und Philosoph Ronald Grossarth-Maticek erforscht seit gut 40 Jahren, was seelische Autonomie, Gesundheit, Krankheit und die Fähigkeit, Probleme zu lösen, miteinander zu tun haben. Nach seinen Untersuchungen hat die Selbstregulation einen Katalysator-Effekt auf die Gesundheit: Wer (physisch) gesund lebt, also nicht raucht, gesund isst, sich viel bewegt aber nicht selbstreguliert ist, lebt nicht wirklich gesund. Physische Risikofaktoren addieren sich in ihrer Wirksamkeit lediglich, während eine schlechte Selbstregulation das Krankheitsrisiko potenziert, also dramatisch vervielfacht bzw. einem eigentlich gesunden Leben einen Strich durch die Rechnung machen kann.
Zur Frage der Selbstregulation gibt es einen ewig langen Fragenkatalog, den ich gemeinsam mit anderen in einer Gruppe über mehrere Stunden ausgefüllt habe. Ich denke, das Ergebnis (das so einigermaßen mittelmäßig ausgefallen ist) ist weniger bedeutend als die Beschäftigung und damit einhergehend der Anreize.
Für Interessierte gibt es bei der Zeitschrift Brand Eins aus dem Jahr 2002 einen interessanten Artikel (Interview mit Ronald Grossarth-Maticek), der mich vor zehn Jahren zur Beschäftigung mit dem Thema Selbstregulation inspiriert hat.
Nach meiner Erfahrung gibt es zwei Seiten der Freiheit – eine äußere und die innere.

Äußere Freiheit

Auf meinem Weg zur Erkundung der Freiheit hat sich für mich zunächst eine berufliche Veränderung ergeben. Zeitgleich mit der Geburt meines ersten Kindes, hatte ich mich entschlossen, mein Arbeitsleben in moderner Sklaverei in einer großen Anwaltssozietät zu beenden und eine eigene Kanzlei aufzubauen.
Dies war in beruflicher Hinsicht der befreiendste und wichtigste Schritt in meinem bisherigen Leben und ihm habe ich es zu verdanken, dass ich nach einigen Stunden Arbeit heute Früh bis Mittag um drei Uhr meine Tochter mit ihrer Freundin zum Tanzen abholen konnte und jetzt am Nachmittag einige Worte zum Thema Selbstregulation hier eintippen kann, während mein Sohn neben mir gespannt einem Hörbuch lauscht.

Innere Freiheit

Doch gehört mehr dazu, als Selbstbestimmung im Arbeitsleben, um frei zu sein. Die wirkliche Freiheit liegt in der inneren Haltung: So kann man als Selbständiger in Wirklichkeit in selbst auferlegten Mustern und Routinen leben bzw. arbeiten und letztlich unfreier sein als ein Angestellter.
Ich denke, dass hier die zitierte Aussage von Krishnamurti gut passt:”…Freiheit muss am Anfang stehen, sonst kannst du nichts entdecken.” Mit anderen Worten: ohne wirklich frei zu sein, kann ich auch die äußere Freiheit (etwa einer Selbständigkeit) nicht wirklich leben bzw. auskosten.

Die spirituelle Seite der Selbstregulation

Ein Meditationlehrer hat mir vor einigen Jahren in einem Gespräch auf meine Frage, worin für ihn die Bedeutung der Vipassana-Meditation liege, gesagt: Freiheit sei das Ziel. Ich habe ihn damals nicht (wirklich) verstanden und erst im Laufe der letzten Jahre erkannt, dass Unfreiheit weit mehr bedeutet, als z. B. in einem Job acht Stunden lang fremdbestimmt zu sein. Als ich angefangen habe, mich mit Zen-Buddhismus und Vipassana zu beschäftigen, habe ich festgestellt, dass Selbstregulation (nur) die wissenschaftliche Bestätigung oder wissenschaftliche Kehrseite der Medaille davon ist, was Meditierende seit Jahrhunderten in der Meditation suchen oder finden: Muster und Fremdbestimmung zu erkennen und zu überwinden um frei zu sein.