Sich dem Guten zuwenden…

Negativa lösen unsere alten Überlebensinstinkte aus; bei allem was irgendwie mit Überleben zu tun hat, alarmiert die Amygdala machtvolle Warnsysteme in Gehirn und Körper, um uns vor möglicher Gefahr zu warnen. Negatives gewinnt, unabhängig davon, ob wir ihnen zustimmen oder nicht, unsere Aufmerksamkeit, weil sie von unserem Primärsystem als Bedrohung registriert werden – und sobald das einmal passiert ist, sind wir gefangen.

Negative Formulierungen zur Verhaltenskorrektur zu benutzen ist jedoch eine zentrale Vorgehensweise im Rahmen unserer Enkulturation – “Du sollst nicht…” ist der Urquell von Gesetz und Religion, der Zement, der die Kultur zusammenkittet, der Ursprung aller Rechtssysteme, Gefängnisse, Kriege – und unser aller Ruin.
/Joseph Chilton Pearce, Biologie der Transzendenz/

Die Vorliebe unserer Grundhaltung, sich auf Negatives zu fixieren hat offenbar zwei Wurzeln: Die Evolution unseres Gehirns mit seinen Alarmsystemen und die Enkulturation, beginnend mit einem verbreiteten “Nein” der Umgebung bei Erkundungen als Kind. Studien stützen die Tatsache, dass unsere Wahrnehmung eher auf negative als auf positive Stimuli ausgerichtet ist, wir uns stärker dafür einsetzen, etwas nicht zu verlieren, als etwas zu erhalten und in Beziehungen 5 positive Erfahrungen nötig sind, um eine negative Erfahrung zu kompensieren.

Das Problem verstärkt sich: die Energie folgt der Aufmerksamkeit und unser impliziter Erinnerungsraum wird zunehmend in seinen Glaubenssätzen, Stimmungen und auch Erwartungen negativ gefärbt – was wiederum unsere Wahrnehmung dunkler färbt.

Ich möchte jetzt diesem erschreckenden, negativen Ausgangspunkt vom Positiven her begegnen: wie gelingt es, den schönen Begegnungen, dem Lebendigen, den guten Seiten jedes Menschen gerecht zu werden, das Gute und die positive Ausrichtung in uns zu kultivieren und – wir sind alle verbunden – andere damit anzustecken, um den Bann zu brechen?

Es ist ein kleiner (aber im Alltag immer wieder gefragter) Impuls in unserer Haltung zu den Menschen, Beziehungen und auch Gedankenobjekten hilfreich: Wenden wir uns dem Positiven zu, immer wieder. Damit meine ich keine Schönfärberei, sondern ein Erkennen des Guten. Das ist eine harte aber eine der erfüllendsten Übung im Alltag…

• Ständig erleben wir schöne Momente, erkenne sie im kleinen und besonderen – der Geruch des feuchten Asphalts im Regen. Wir begegnen Menschen, die uns inspirieren und sehen ihre schönen Seiten. Schön, wenn wir uns dem auch zuwenden.

• Wenn wir diese schönen Momente aufnehmen und sie auskosten, wird das Spuren hinterlassen, füllt unsere implizite Erinnerung und verstärkt die positive Grundhaltung. Feiern wir diese Momente und werden wir ihnen gerecht durch ein Innehalten im schönen Gefühl.

•  Eine weitere Vertiefung und Verstärkung dieser guten Energie ist es, das Gute im ganzen Körper (vor allem im Herzen) wirken zu lassen – darin liegt auch die Kraft von Meditationen begründet.

Ich habe für mich für diesen Prozess ein schönes Bild gefunden: das Trinken eines guten Tees, den wir riechen, ansehen und Schluck für Schluck schmecken und kosten. Es ist eine Form der Meditation, der Tee-Weg – tief eingebettet vor allem in der Östlichen Kultur. Es ist eine Haltung – wie du den Tee trinkst, so kostest du das Leben.